Science Fiction, Fantasy & Besonderes
Kategorie: Bücher
Science Fiction

Venus siegt

24.05.2017

Auf dem Planeten Venus findet in einigen hundert Jahren ein gewaltiges soziales Experiment statt. Man will herausfinden: Gibt es eine Form des Zusammenlebens, in der Menschen, Roboter und künstliche Netzintelligenzen gleichberechtigt miteinander leben können?

In einer Revolution haben die Bewohner der Venus die irdische Herrschaft abgestreift. Doch das neue Regime, das verspricht, der Ausbeutung und Abhängigkeit ein für alle Mal ein Ende zu machen, muss sich gegen die äußeren und inneren Feinde mit harten Maßnahmen behaupten. Als Konsequenz daraus errichtet die Politikerin und Programmiererin Leona Christensen eine Diktatur.


Der Autor

Dietmar Dath lebt in Frankfurt a. M. und ist seit 2011 als Filmkritiker für die FAZ tätig. Zuvor hatte er dort von 2001 bis 2007 bereits die Position des Feuilletonredakteurs inne.

Als Schriftsteller verfasste er bereits mehr als 15 Romane sowie unzählige Erzählungen, Sachbücher und Essays.


Das Buch

Das Buch ist in zwei Abschnitte aufgeteilt:

Der erste Abschnitt des Buches bildet mit seinen etwa 320 Seiten den Hauptteil, trägt den Titel „Venus siegt“ und besteht aus den Kapiteln

  • Jugend und Lehrzeit
  • Liebe und Angst
  • Auf der Flucht und bei Hofe
  • Strafe und Exil

„Venus lebt“ bildet den zweiten, wesentlich kürzeren Abschnitt und kommt ohne weitere Unterkapitel aus.

Das Werk wirkt insgesamt wie die Memoiren des Protagonisten Nikolas Helander. Da sein Vater die rechte Hand der Herrscherin war, ist Helander in den elitären Kreisen des Regimes aufgewachsen und vermittelt so – auch durch die direkte Ansprache des Lesers - immer wieder exklusive Einblicke in die Führungsriege um die Diktatorin Leona Christensen.

Die ersten 150 Seiten des Buches bestehen gefühlt aus Auflistungen von Figuren, Anspielungen, Handlungsschnipseln aus der Kindheit und Jugend des Protagonisten, Schauplätzen und politischen Verflechtungen. Das mag für die nachfolgenden Geschehnisse einigermaßen relevant – oder zumindest interessant – sein, bietet aber leider keine besonders unterhaltsame Lektüre.

Zusätzlich wird der Lesefluss durch komplexe Satzstrukturen und ungewohnte Namen bzw. Bezeichnungen immer wieder unterbrochen. Schachtelsätze, die eine halbe Seite oder mehr umfassen, sind keine Seltenheit, sodass ich des Öfteren Abschnitte mehrfach lesen musste, um die Zusammenhänge gedanklich sortieren zu können.

Diese zwischen die Initialen gesetzten Symbole (nach neueren zeitgeschichtlichen Forschungen stammen sie nicht aus der Mathematik, sondern aus der Schrift für chemische Verbindungen) verbanden „Diskrete“ (also Roboter), „Biotische“ (also Menschen – „nur Dumme sagen `Biologische`, denn Biologie heißt die Wissenschaft, nicht die Sache“, erklärte mein Vater) und „Kontinuierliche“ (also freie, zwar servergestützte, aber in all unseren Netzen bewegliche Programme mit Bewusstsein).

Würde es sich um die dokumentarische Nacherzählung wahrer Begebenheiten handeln, könnte ich diesen Stil durchaus akzeptieren, für einen Unterhaltungsroman reichte es mir an dieser Stelle jedoch nicht aus. Hätte ich nicht den Vorsatz, mindestens 150 Seiten eines Buches zu lesen, bevor ich es zur Seite lege, wäre ich über diesen Abschnitt sicherlich nicht hinaus gekommen.

Nach diesen 150 Seiten beginnt dann allerdings eine relativ geradlinige Handlung, die schnell Fahrt aufnimmt und zum Weiterlesen animiert. Bis zum Ende des Buches konnte sich dieser Spannungsbogen für mich aber leider nicht halten.


Das Fazit

Die Handlung an sich hätte mir durchaus gefallen können, der Schreibstil entsprach allerdings leider nicht meinem Geschmack, sodass mich das Buch nicht überzeugen konnte.

Da das aber nicht zwingend heißen muss, dass andere dies genau so empfinden, empfehle ich bei Interesse am Buch einen Blick in die Leseprobe des Verlags zu werfen.

Wem der Stil gefällt, der kann in „Venus siegt“ sicherlich einen interessanten SciFi-Roman mit einer Vielzahl neuer Denkanstöße finden. Der Konflikt zwischen Mensch, Maschine und künstlicher Intelligenzen wird uns in naher Zukunft mit Sicherheit noch beschäftigen. Auch von autoritären Regimen und allen damit verbundenen Herausforderungen werden wir wohl leider nicht verschont bleiben.


Venus siegt
Autor: Dietmar Dath
Verlag: Fischer TOR (Oktober 2016)
Umfang: 544 Seiten
Sprache: Deutsch
Format: Taschenbuch