Science Fiction, Fantasy & Besonderes
Kategorie: Bücher
Fantasy & Comics

Lovecraft Country

04.06.2017

Chicago, 1954. When his father Montrose goes missing, 22-year-old Army veteran Atticus Turner embarks on a road trip to New England to find him, accompanied by his Uncle George—publisher of The Safe Negro Travel Guide—and his childhood friend Letitia. On their journey to the manor of Mr. Braithwhite — heir to the estate that owned one of Atticus’s ancestors — they encounter both mundane terrors of white America and malevolent spirits that seem straight out of the weird tales George devours.

At the manor, Atticus discovers his father in chains, held prisoner by a secret cabal named the Order of the Ancient Dawn — led by Samuel Braithwhite and his son Caleb — which has gathered to orchestrate a ritual that shockingly centers on Atticus. And his one hope of salvation may be the seed of his — and the whole Turner clan’s — destruction.


Der Autor

Um seine schriftstellerische Karriere zu starten, studierte der US-Amerikaner Matt Ruff im Bundesstaat New York an der Cornell University. Schon seine Magisterarbeit wurde sein erster literarischer Erfolg und erschien 1988 unter dem Titel "Fool on the Hill".

An dieses Debüt schlossen sich zwischenzeitlich 5 weitere Werke an, die sich allesamt durch die Kombination verschiedener Genres auszeichnen. Ruff verbindet besonders gerne Science Fiction mit Fantasy und schafft so einen ganz eigenen Stil.


Das Buch

Lovecraft Country war für mich ein klassischer Impulskauf: der Umschlag ist in einem auffälligen Used-Look gestaltet und dann stand auch noch der Name meines Lieblingsautors H.P. Lovecraft darauf. Ganz klar: das Buch musste mit.

Angenehmerweise versucht Lovecraft Country nicht, an die Werke des Altmeisters des Horrors anzuknüpfen oder sie gar zu imitieren. Stattdessen wird ein komplett eigenes Konzept verfolgt. Es fällt allerdings schwer, das Buch einem bestimmten Genre eindeutig zuzuordnen, da sowohl Mystery-/Horror-Elemente als auch ein gesunder Schwung SciFi und Fantasy mit einem Roman über die amerikanischen Rassekonflikten der 1950er Jahre vermischt werden. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Ruff widmet die Kapitel immer wieder anderen Figuren, die aber allesamt Teil einer verwobenen Haupthandlung sind. Der Leser erhält also zumeist mehr Informationen als die handelnden Figuren, was eine wirklich interessante Dynamik birgt.

Die Handlung findet rund um eine Familie statt, die nicht nur der afroamerikanischen Bevölkerung zuzurechnen ist, sondern zugleich den Safe Negro Travel Guide, einen Reiseplaner für Afroamerikaner, heraus gibt.

Nach unzähligen rassistischen Übergriffen und dem allgemein akzeptierten Alltagsrassismus gegenüber dunkelhäutigen Amerikanern, ergab sich die Notwendigkeit, einen solchen Reiseplaner herauszugeben. In erster Linie ermöglicht er Ortsfremden Restaurants bzw. Motels zu finden, in denen sie bewirtet werden. Auch, um im Pannenfall eine nahe gelegene Werkstatt informieren zu können, die eine Fahrzeugreparatur nicht aufgrund der Hautfarbe des Hilfesuchenden ablehnt, ist der Guide Gold wert. Die Diskriminierung durch Polizisten, Banken und Immobilienmakler gehörten ebenso zur Tagesordnung und muss bei Reisen und Umzügen stets berücksichtigt werden.

Als jemand, der zu Beginn der 1990er geboren wurde, ist diese Form von Rassismus, Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Gewalt für mich absolut undenkbar. Traurigerweise war ein ähnlicher Reiseplaner unter dem Titel The Negro Motorist Green Book bis 1966 tatsächlich notwendig.

Umso schockierender empfinde ich den immer mehr um sich greifenden Rassismus, der einen in (nahezu) beliebige Kommentarspalten großer Nachrichtenportale und Social Networks geradezu erschlägt. Lovecraft Country ist daher für mich nicht nur Unterhaltungsliteratur sondern ein Stück weit auch Reminder für mehr Vernunft, Menschlichkeit und Toleranz.

The galaxy had begun to set, the lowest of its arms
dipping like an oar beneath the ocean horizon.
"The Drowning Octopus," Ida said, as they walked towards the end of the promontory.
"That's what Mr. Winthrop called it in his notes. Said it war 'blue-shifted', which means it's coming this way. I didn't tell Mary that, though. I knew she'd only worry."

Neben Ungerechtigkeit und Diskriminierung erwarten den Leser eine mächtige Sekte, ein altes Anwesen voller verborgener Geheimnisse, Magie, Alchemie und Astronomie - gekonnt gewürzt mit der richtigen Dosis Humor. Auch wenn diese Kombination auf den ersten Blick sehr eigentümlich erscheint, harmonieren die einzelnen Aspekte erstaunlich gut und ergeben eine mitreißende Geschichte.

Eine deutsche Übersetzung ist bisher leider nicht erschienen, aber das englische Original lässt sich auch ohne Spezialwortschatz problemlos lesen.


Das Fazit

Lovecraft Country hält viele kleine und einige größere Überraschungen bereit und vermischt gleich zwei meiner Lieblingsgenres zu einem überzeugenden neuen Konzept. Auch sonst bietet das Buch eine spannende und kurzweilige Unterhaltung.

Ich freue mich sehr, dass ich nach meiner Enttäuschung über Venus siegt spontan über dieses Werk gestolpert bin und werde mit Sicherheit noch weitere Werke von Matt Ruff lesen.


Lovecraft Country
Autor: Matt Ruff
Verlag: Harper Perennia (Februar 2017)
Umfang: 400 Seiten
Sprache: Englisch
Format: Taschenbuch