Science Fiction, Fantasy & Besonderes
Kategorie: Bücher
Fantasy & Comics

Der kosmische Schrecken

01.05.2017

Sechs der besten Geschichten vom Altmeister des Horrors in völlig neuer Übersetzung. Zusätzlich enthalten sind Lovecrafts Notizen zu "Der Schatten über Innsmouth" und eine verworfene Fassung dieser unheimlichen Novelle, sowie ein ausführliches Nachwort zur deren Entstehungsgeschichte, geschrieben von den amerikanischen Fantastikexperten S. T. Joshi und David E. Schulz.


Der Autor

Der Name H. P. Lovecraft wird jedem geläufig sein, der sich schon einmal mit Rollenspielen, klassischer Horror-Literatur oder dem Cthulhu-Mythos beschäftigt hat. Man könnte ihn als Urgroßvater des modernen Horrors bezeichnen, auch wenn er zu Lebzeiten nie große Erfolge verzeichnen durfte.

Lovecraft verfasste, ähnlich wie E.A. Poe, überwiegend Kurzgeschichten, die den Leser meist recht verwirrt zurück lassen. Oft erschließt sich die Gesamthandlung auch erst beim zweiten Lesen.

Zusätzlich ist der Schreibstil anfangs ungewohnt und definitiv nicht in die Kategorie „leichte Kost“ einzuordnen. Zurückzuführen ist dies vor allem darauf, dass sein Ausdrucksweise - auch wenn er zwischen 1890 und 1937 lebte - dem von ca. 1800 entspricht. Seine zahlreichen Briefe datierte er sogar regelmäßig 100 Jahre zurück.

Möchte man die Werke in der Originalfassung lesen, steht man schnell vor dem Problem, ein Nachschlagewerk mit passendem Wortschatz zu finden. Zumindest war das vor gut 13 Jahren der Fall, als ich mich erstmals mit Lovecrafts Geschichten befasst habe.


Das Buch

„Der kosmische Schrecken“ ist nun der erste von sechs Sammelbänden und beinhaltet folgende Geschichten sowie das unten stehende Zusatzmaterial:

  • Ratten im Gemäuer
  • Das Ding auf der Schwelle
  • Dagon
  • Der Flüsterer im Dunkeln
  • Der Außenseiter
  • Der Schatten über Innsmouth
  • Anmerkungen zu „Der Schatten über Innsmouth“ von S. T. Joshi und David E. Schulz
  • Lovecrafts Notizen zu „Der Schatten über Innsmouth“
  • Verworfene Fassung von „Der Schatten über Innsmouth“

Die Übersetzung finde ich persönlich sehr gelungen, da Lovecrafts Werke generell sehr schwer in andere Sprachen zu übertragen sind, was vor allem an dem oben bereits angesprochenen außergewöhnlichen Schreibstil liegt.

Auch die Auswahl der Geschichten in diesem Band finde ich sehr passend, da sie sehr unterschiedlich sind und so einen guten ersten Einblick in die gigantische von Lovecraft geschaffene Welt bieten.

Lesern, die mit dem Lovecraft-Universum (noch) nicht so vertraut sind, empfehle ich, hin und wieder mal einen Blick in die entsprechenden Wikipedia-Artikel zu werfen, da die Wesen und Götter äußerst zahlreich, die Namen aber schwer zu merken sind.

Ja, ich habe sie gesehen … sah sie in endlosem Strome – flatternd, hüpfend, quäkend, blökend – unmenschlich durchs gespenstische Mondlicht flutend gleich einem grotesken, bösartigen Tanz fantastischer Nachtmahre.“

In dieser Reihe ebenfalls erschienen sind:

  • Band 2: Namenlose Kulte
  • Band 3: Das schleichende Chaos
  • Band 4: Necronomicon
  • Band 5: Cthulhu
  • Band 6: Die Großen Alten

Die in diesem Sammelband veröffentlichten Werke sind natürlich keine Erstpublikationen. Das enthaltene Bonusmaterial hat mir hingegen viele neue, äußerst spannende Einblicke eröffnet, sodass ich euch dieses ein weniger näher vorstellen möchte, auch wenn Anhänge oder Bonusmaterialen ansonsten meist eher stiefmütterlich behandelt werden. Liest sowas außer mir eigentlich noch jemand? Ich bin mir da nicht sicher.


Anmerkungen zu "Der Schatten über Innsmouth" von S. T. Joshi & D. E. Schulz

Die Autoren des Kommentars haben sich auf eine intensive Spurensuche begeben, um die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Werkes in Erfahrung zu bringen. Der Leser erfährt interessante Details darüber, in welcher Phase seines Lebens Lovecraft "Schatten über Innsmouth" verfasste, wie seine - immer wieder labile - psychische Verfassung zu diesem Zeitpunkt war und was die Ursachen dafür waren.

Sie zeigen außerdem auf, dass "Schatten über Innsmouth" eine langen und von Rückschlägen geprägten Entstehungsgeschichte aufweist und warum sich erst Jahre nach Lovecrafts Tod ein Verleger gefunden hat, der sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte.

Anschließend begeben sich die Autoren auf die historische und geografische Spurensuche und ziehen dazu unter anderem Reiseberichte von Lovecraft heran, der die Region um Newburyport (Massachusetts) erstmals 1923 besuchte, dort eine Vielzahl an Inspirationen fand und sie anschließend zum Schauplatz eines seiner bekanntesten Werke erklärte.

Ein kleiner Ausflug ins Zentrum von Newburyport per Google Streetview zeigt übrigens, dass dort in den vergangenen einhundert Jahren scheinbar vieles liebevoll restauriert wurde. Der Charme einer amerikanischen Ostküsten-Kleinstadt, wie man sich diese als Europäer vorstellt, blieb aber zweifellos erhalten.


Lovecrafts Notizen zu "Der Schatten über Innsmouth"

Der interessierte Leser erhält hier - Dank umfangreicher Stichpunkte des Autors - Einblicke in eine grobe, erste Strukturierung der Handlung. Außerdem finden sich ausführliche Anmerkungen zu den Verwandschaftsverhältnissen der Figuren untereinander sowie interessante Biografie-Eckdaten wie Geburts- und Sterbedatum, "Wahnsinn" und eventuellen Selbstmorden. Auch ein Stammbaum ist abgebildet.


Verworfene Fassung von "Der Schatten über Innsmouth"

In den Anmerkungen von Joshi & Schulz erfahren wir, dass zwar eine Vielzahl von Versionen von Lovecraft verfasst wurden, er mit diesen aber unzufrieden war und sie daher nicht weiter verfolgte. Die hier veröffentlichten Ausschnitte aus einer dieser Versionen fanden sich auf Rückseiten des von Lovecraft eingereichten Originalmanuskripts und blieben daher - im Gegensatz zu den unzähligen weiteren Fassungen - für die Nachwelt erhalten.

Man kann die Ausschnitte gut mit der publizierten Fassung vergleichen und erhält so einen Einblick in die Entstehung der Geschichte. Es handelt sich bedauerlicherweise aber nicht um eine vollständige "alternative Version", sondern lediglich um einzelne Abschnitte.


Das Fazit

Seit mehr als einem Jahrzehnt bin ich nun begeisterter Lovecraft-Fan und so schnell wird sich daran vermutlich auch nichts mehr ändern.

Meiner Meinung nach bietet dieser Sammelband einen hervorragenden ersten Einblick in das durchaus eigensinnige Lovecraft-Universum und beinhaltet darüber hinaus interessantes Zusatzmaterial.

Ganz nebenbei machen sich die düsteren Festa-Sammelbände natürlich auch noch ganz fantastisch in meiner Büchersammlung.

Natürlich ist der Stil etwas speziell und nicht für jeden das Richtige. Ich bin dennoch - oder gerade deswegen - der Meinung, man sollte zumindest „Schatten über Innsmouth“ als eines seiner bekanntesten Werke einmal gelesen haben.

Meine persönlichen Lovecraft-Lieblinge – „Die Farbe aus dem All“ und „Stadt ohne Namen“ – finden sich allerdings erst in Band 2 bzw. 4 der Festa-Reihe.


Der kosmische Schrecken
Autor: H.P. Lovecraft
Verlag: Festa(Mai 2011)
Umfang: 316 Seiten
Sprache: Deutsch
Format: Gebundene Ausgabe