Science Fiction, Fantasy & Besonderes
Kategorie: Bücher
Fantasy & Comics

Das Fest des Monsieur Orphée - J. M. Sánchez

15.10.2017

Mitte der 1950er-Jahre gerät der britische Schauspieler Peter Cushing bei der Vorbereitung für seine Rolle in einer Frankensteinverfilmung in Verwicklungen rund um einen verschollenen Film, den der Teufel höchstpersönlich Anfang der 1920er-Jahre in Hollywood gedreht hat.

Das Besondere: Der Film verführt jeden seiner Betrachter zu Wahnsinnstaten.


Der Autor

Der 1978 geborene Spanier Javier Márquez Sánchez ist hauptberuflich als Journalist für Rundfunk und Zeitschriften tätigt.

Von seinen bisher vier veröffentlichten Romanen ist neben seinem Debüt Das Fest des Monsieur Orphée nur sein 2012 veröffentlichter Roman Mörderisch wie ein Solo von Charlie Parker in die deutsche Sprache übersetzt worden.


Das Buch

Das Buch beginnt, wie auch ein typischer Tarantino-Film beginnen würde: mit unvorstellbar grausamen Verbrechen, bei denen an Blut und Brutalität nicht gespart wird.

Nach einer kurzen Einleitung in die Ausgangssituation werden die verschiedenen Hauptcharaktere mit ihrer jeweiligen Hintergrundgeschichte vorgestellt. Ob der Autor hier für die weitere Handlung wirklich so sehr ins Detail gehen musste, ist für mich allerdings fraglich. Wir erhalten jedenfalls einen guten Einblick in die Motivationen und Charakterzüge der Hauptfiguren, wodurch sich im Nu eine Beziehung zu diesen aufbaut.

Zum einen wären da Harry Logan und sein Kollege Inspektor Andrew Carmichael von Scotland Yard. Carmichael ist für seinen Instinkt und Interesse an ungewöhnlichen und nicht immer rational zu erklärenden Fällen bekannt. Die Anfangs begangenen Verbrechen fallen in eben diese Kategorie. Logan könnte man wohl als dessen Junior-Partner in Ausbildung bezeichnen.

Zum anderen begleiten wir Peter Cushing, einen durchaus erfolgreichen britischen Fernseh-Schauspieler, der nach größeren (Kino-)Rollen strebt, um seiner todkranken Frau Helen ihren Wunsch von einem Haus am Meer erfüllen zu können. Als er die Chance bekommt, in einem Frankenstein-Remake die Rolle des berühmten Wissenschaftlers zu übernehmen, gibt er sein bestmögliches, um sich angemessen auf diese Rolle vorzubereiten.

Im Laufe der Handlung finden natürlich noch weitere wichtige und interessante Figuren ihren Weg in den Leser-Fokus, die ich an dieser Stelle aber nicht vorwegnehmen möchte.

»James Carreras will ein Remake von "Frankenstein" drehen?«
Peter war über die Ankündigung verblüfft.
»Und was kommt danach, "Graf Dracula"?
Heutzutage dreht doch kein Mensch mehr Gruselfilme!«

»Ach, Peter, du kennst doch das Showbusiness.
Wenn man es am wenigsten erwartet,
kommt ein neuer Trend und ändert alles.«

»Ich weiß nicht, John. Gruselfilme…
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Nazis,
den Konzentrationslagern, kann es da noch
etwas Schrecklicheres geben?
Wer soll denn noch Angst vor diesen
infantilen Monstern bekommen?«

Das Fest des Monsieur Orphée ist insgesamt recht düster gestaltet. Es unterscheidet sich durch eine Vielzahl kleiner Details schon rein optisch von anderen Büchern:

Während die erste Seite eines Kapitels stets schwarz mit weißem Text gehalten ist, tragen ganzseitige, düstere schwarz-weiß-Fotos zusätzlich zur Atmosphäre bei.

Auch die Seitenzahlen befinden sich nicht wie üblich in der äußeren unteren Ecke, sondern kopfüber an der Innenkante der Seite.

Insgesamt erinnert die Aufmachung des Buches stark an die (Trash-) Horrorfilme der 50er Jahre und bietet so ein schlüssiges Gesamtkonzept. Damit ihr euch davon ein besseres Bild machen könnt, habe ich auf Instagram einige Schnappschüsse zusammen gestellt.

Eine weitere Besonderheit in diesem Buch sind die vielen Anspielungen auf Persönlichkeiten der Filmgeschichte – mal ganz offen, mal nur für Kenner zu entdecken.

Peter Cushing ist übrigens nicht nur der Name der Hauptfigur in diesem Buch. Cushing war tatsächlich der Schauspieler des Doktor Frankenstein in der gleichnamigen Filmreihe. Nebenbei: auch als Dr. Who und Sherlock Holmes durfte er in den 50ern und 60ern vor der Kamera stehen.
Nicht selten an der Seite von Christopher Lee.

Das Fazit

Das Buch nimmt sich merklich selbst nicht all zu ernst und bietet daher, was man auch von einem typischen 50er-Jahre Horrorfilm erwarten würde: Okkultismus, Trash, eine gewisse Vorhersehbarkeit und kurzweilige Unterhaltung.

Für Genre-Fans ist dieses Buch also eine tolle Abwechslung. Ich hatte jedenfalls Spaß beim Lesen und freue mich, zufällig über dieses besondere Buch gestolpert zu sein.

Wer allerdings ernsten – echten – Horror sucht, wird mit diesem Buch vermutlich nicht glücklich werden.


Das Fest des Monsieur Orphée
Autor: Javier Márquez Sánchez
Verlag: Walde+Graf (August 2011)
Umfang: 407 Seiten
Sprache: Deutsch
Format: Gebundene Ausgabe